69° 23,32′ Süd / 76° 22,8′ Ost

Forschung in der Antarktis
Forschung in der Antarktis

Auf Einladung der Universität Melbourne konnte ich vom 18. Dezember 1985 bis 29. März 1986 mit einem 21-köpfigen Team aus 4 Biologen, 2 Meteorologen, 4 Botanikern, 5 Geologen, 3 Hubschrauberpiloten, 2 Mechanikern und einem Arzt einen winzigen Teil der Antarktis erforschen.

Ausgangspunkt der Reise war Hobart auf Tasmanien. Das ursprüngliche Ziel, die Bunger Hills, konnte wegen eines breiten Packeisgürtels vor deren Küste nicht angelaufen werden. Als Ausweichziel wurde daher von der Expeditionsleitung der geologisch weitgehend unbekannte Küstenstreifen der Larsemann Hills vorgeschlagen - für einen Geologen eine faszinierende, unberührte Landschaft.

Ein GPS gab es damals noch nicht, topographische Karten und Luftbilder zur Orientierung waren keine vorhanden.

Nach einer 32-tägigen Seereise legte der dänische Frachter "Nella Dan", der von der Antarctic Division in Kingston auf Tasmanien als Versorgungschiff für die drei australischen Antarktistationen eingesetzt wurde, am Eisrand vor der Küste der Larsemann Hills an.

Auf dem Weg nach Süden wurde die französische Station Dumont D′Urville besucht (66° 40′ Süd / 140° 0,94′ Ost), der magnetische Südpol vermessen und die australische Station Casey (66° 16,67′ Süd / 110° 31,26′ Ost) angelaufen. Eine Woche steckte das Schiff im Packeis fest.

Am 18. Jänner 1986 erreichte die Nella Dan endlich die Larsemann Hills und die Mannschaft begann mit dem Ausladen von Proviant und Flugbenzin für einen 1,5 monatigen Aufenthalt im Sommerlager (siehe Übersichtskarte im PDF, südöstlich Nella Fjord).

Ab dem 17. Februar wurde es spürbar kälter: -7° bis - 10° C , und morgens eiskalter Wind. Die vielen kleinen Schmelzwasserseen begannen zuzufrieren. Am 24. Februar 1986 flog die gesamte Mannschaft mit den drei Hubschraubern in die 110km entfernte australische Antarktisstation Davis (68° 34,51′ Süd / 77° 58,44′ Ost).
38 Kartierungstage waren vorüber.

Am 3. März begann es in Davis zu schneien. Die Sonne tauchte nicht mehr über dem Horizont auf. Es blieb finster. Der antarktische Winter war da.

Alles wartete auf die Icebird, das letzte Schiff zurück nach Hobart. Wer mit an Bord kommt, freut sich. Für die anderen beginnt der lange Winter.

Die Icebird sticht am 7. März 1986 in See, läuft die Stationen Mawson und Casey an, ladet Proviant und Treibstoff aus, sammelt Leute ein, und liegt eine Woche in einem Blizzard an der Küste der Station Mawson fest. Am 30. März läuft das Schiff in Hobart ein. Am Freitag, dem 3. April 1986 bin ich wieder zu Hause. A field trip to remember.

 

Bilder:

Dokumente:
Forschungsbericht (PDF, 387 kB)

Georeferenzen:
Larseman Hills (ATA), 69° 23,32′ Süd / 76° 22,8′ Ost → Google Maps
Station Dumont D′Urville (ATA / FRA), 66° 40′ Süd / 140° 0,94′ Ost → Google Maps
Station Casey (ATA / AUS), 66° 16,67′ Süd / 110° 31,26′ Ost → Google Maps
Station Davis (ATA / AUS), 68° 34,51′ Süd / 77° 58,44′ Ost → Google Maps
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